Projektdokumentation: Flickr-Alben

Kästchenreihen 14-18

Mit der Reihe 14 hatte ich das bisherige Konzept erstmals komplett verändert. Alle Stative wurden abgebaut und einige der modernen Kameras mit anderen Objektiven für Naheinstellungs- und Makroaufnahmen bestückt, es sollten nur noch Freihand-Fotos geschossen werden. Da die Leuchtstoffröhren der Tageslichtlampe ein diskontinuierliches Spektrum erzeugen, kam es unweigerlich, unkontrollierbar und auch mit manuell eingestelltem Weißabgleich immer zu Farb- und Belichtungsdifferenzen auf allen Fotos, die mit sehr kurzen Zeiten jenseits von 1/50 Sekunden entstanden waren. Dieser Effekt wurde seit Beginn des Projektes Teil der Umsetzung, den ich anfangs noch vermeiden wollte, der dann aber für jede Foto-Session einen zusätzlichen Lichtaufbau erfordert hätte. Ohne Stative war der Effekt ab Reihe 14 unausweichlich, da unverwackelte Aufnahmen aus der Hand eine Mindestbelichtungszeit erforderten, die kürzer waren als die der Fotos, die mit Stativ gemacht wurden.
Bei den alten Digitalkameras machte ich jeweils zwei Aufnahmen mit den verbauten Zoom-Objektiven. Einmal – soweit vorhanden – im Makromodus des Telebereichs, einmal im Weitwinkelbereich. Hier zeigten sich als Ergänzung zu den vorangegangenen Reihen noch die Grenzen und unterschiedlichen Abbildungsqualitäten der jeweiligen Objektive.


Kästchenreihe 19

Screenshot Flickr-Album Reihe 19
Screenshot aus dem Flickr-Album Reihe 19

Am Ende der Reihe 19 mit 1554 Fotos beendete ich die Arbeit mit den alten Digitalkameras, deren konzeptueller Nutzen erschöpft erschien. Das Konzept des Hinterfragens und das freie Spiel mit den Evidenzen von Artefakten drohte selbst zu einer wohlfeilen Inszenierung zu werden, die sich vom Projekt einer Bildkritik an Mühes Kreidefelsen immer weiter löste. Mittlerweile hatte ich auch 23 moderne Kameras, mit denen ich ausschließlich und wieder mit einem klareren Konzept unter neuen Parametern weitarbeiten wollte.


Kästchenreihen 20-21

Für die Reihe 20 beließ ich weitgehend die Objektive an den modernen Kameras. Die Nutzung der alten Digitalkameras ergab ein sehr heterogenes Gesamtbild verschiedener Ergebnisse, während die Fotos der modernen Kameras subtil unterschiedlich waren und auf den ersten Blick ein weitgehend homogenes Gesamtbild abgaben. Ich wollte diesen subtilen Unterschieden eine größere Relevanz verschaffen, indem ich jedes Kästchen der Reihe mit allen Kameras durchfotografierte. Nach Fertigstellung der Reihe war klar, dass die Frage nach dem besten Foto eines Kästchens keine eindeutige Antwort ergeben könnte, allenfalls die Annäherung einer Auswahl, die wiederum abhängig wäre von der Anzahl bewertender Rezipient*innen.


Kästchenreihe 22

Screenshot Flickr-Album Reihe 22
Screenshot aus dem Flickr-Album Reihe 22

Mit einer weiteren, quantitativen Ebene wollte ich die Legende von eindeutigen Bewertungsparametern noch offensichtlicher in Frage stellen. In Reihe 22 habe ich deshalb mit allen Kameras je drei Fotos von einem Kästchen angefertigt. Da ich frei aus der Hand arbeitete, waren drei Fotos mit identischer Schärfe nicht wahrscheinlich. Mich interessierte zunächst der Status in der Wahrnehmung und Rezeption jeder Einzelaufnahme: Ob die drei Fotos je Kamera sofort einem bewussten oder unbewussten Bewertungsparameter unterliegen würden und nach welchen Kriterien das geschehen würde. Dies könnte die Schärfe sein, eine gerade bzw. schiefe Aufnahme oder eine von der Tageslichtlampe verursachte Farb- und Helligkeitsverschiebung. Da hier erneut 23 Kameras zum Einsatz kamen, ergaben die 44 Kästchen in einer Reihe am Ende nicht die gut 1000 Fotos wie bei den Reihen 20 und 21, sondern insgesamt 3168 Fotos (durch Schreibfehler auf die SD-Karten fehlen gut 60 Aufnahmen). Um die Scharfstellung der ausschließlich manuell zu fokussierenden Objektive zu verbessern, begann ich, den Malduktus etwas pastoser zu gestalten. Zusammen mit einer farblichen Hervorhebung der Schärfeebene erlaubte die Fokusvergrößerung in den Sony-Kameras eine sichere Scharfstellung auf die Bildebene.


Kästchenreihe 23

Screenshot Flickr-Album Reihe 23
Screenshot aus dem Flickr-Album Reihe 23

In Reihe 23 fotografierte ich jedes Kästchen einmal mit jeder Kamera und ab hier dokumentierte ich schriftlich zu jeder Kamera das verwendete Objektiv. Mittlerweile war die Kamerasammlung auf 41 Exemplare angewachsen, davon 39 Sony-Systemkameras (37 im APS-C-Format, zwei im Kleinbild-/Vollformat) und zwei ältere Olympus-DSLR-Apparate. Ziel sollte sein, eine möglichst einheitliche Abbildungsgröße der dokumentierten Kästchen zu erhalten. Der Schwerpunkt lag auf adaptierten Objektiven im Makromodus. Es kamen Vergrößerungsobjektive, Normalbrennweiten mit Zwischenringen und klassische Makroobjektive zum Einsatz. In den Flickr-Alben ab Reihe 23 sind die Objektive als Tags notiert.
Die schiere Masse der Gebrauchtkameras mag verwundern, angesichts des ohnehin zeitlich großen Aufwands der fotografischen Dokumentation hätte ein ständiger Objektivwechsel diese Phase innerhalb des Projektablaufs jenseits der Angemessenheit verlängert. Stattdessen lagen alle Kameras mit den adaptierten Objektiven griffbereit auf einem Tisch und einem Regal.