E-Mail-Dialog mit Wolfgang Ullrich


Teil 5


WU, 14.8.19
Als ich Deine erste Mail las, dachte ich gleich, ich müsse Dich dazu ermuntern, noch mehr Bilder der Apparate zu machen, die Du verwendest - und es gerade auch zu dokumentieren, wenn sie nicht funktionieren, weil sie eben zum Teil schon so alt sind. Und mit Deiner zweiten Mail übererfüllst Du den Vorschlag, den ich machen wollte, gleich ganz großartig! Was ist das wieder für eine kluge Idee, was für eine raffinierte Umsetzung - auch wenn wohl niemand von alleine darauf käme, wie ein solches Foto entstanden ist. Aber dass Du alle Möglichkeiten der Bildgenese - inklusive Spiegelung etc. - nutzt, macht das Projekt so gewaltig. In ihm wird so viel an Foto- und Mediengeschichte präsent. Gegenüber dem Erstimpuls - einer Kritik an Mühe - ist das natürlich noch viel mehr, und ich bin gespannt, wie sich die verschiedenen Dimensionen und Intentionen zueinander konstellieren, wenn das Projekt weiter fortgeschritten ist und wenn es (nach und nach) auch öffentlich gemacht wird. Da ist ja noch sehr vieles denkbar!


NP, 14.8.19
Du hast recht, die Fotoapparate als Mittel der Bildgenese sind ein ganz wichtiger Bestandteil, viel mehr als bloße Mittel zum Zweck! Die Spiegelung im Smartphone-Monitor - zumal im ausgeschalteten Modus - erschien mir auch als interessant, auch wenn es tatsächlich nicht erkennbar ist, ich erinnerte mich sofort an die Theorien Hockneys zu den "Geheimnissen" der Renaissance-Kunst bezüglich der Verwendung von Spiegeln und anderen optischen Hilfsmitteln, also Apparaten. Ich habe auch gleich versucht, die Anordnung auf dem Schreibtisch so aufzubauen, dass die Spiegelung schräg von unten die Bildfläche zeigt. Das ist in der Flucht des Stativs mit den Videokameras, das man deshalb auch sieht, ebenso einen Teil der Tageslichtlampe. Dazu noch ein Foto des Aufbaus. So komme ich mir selbst auch nicht in Quere. Ich überlegte zunächst, das ebenfalls als Videoclip aufzunehmen, aber da gibt es ja schon die Aufnahme vom Stativ aus. Stattdessen werde ich die Kamera mit einem Smartphone fernsteuern und per Selbstauslöser mit 10 sec. ein Foto schießen, während ich die Farbe auftrage. Es stimmt, bei jedem Kästchen kommt etwas Neues, Unvorhergesehenes und Ungeplantes hinzu, flankiert von kleinen und größeren Katastrophen, die sich als Türen für neue Möglichkeiten erweisen.

NP, 15.8.19
Und um Dein Mail-Postfach endgültig zuzumüllen, lieber Wolfgang, hier nun noch das finale Testbild mit meiner malenden Hand. Es sieht tatsächlich so aus, als sei das ein Foto von einem Smartphone-Bild, nicht eine Spiegelung.

WU, 15.8.19

Mir scheint, als kämen nun immer mehr Deiner schon lang gehegten, oft kaum zur Geltung gebrachten Interessen und Fähigkeiten zum Ausdruck. All die Anordnungen der Fotoapparate, die Verschränkungen analoger und digitaler Techniken, das Tüfteln an Details und an innovativen Lösungen - das sind Seiten von Dir, die getrennt voneinander sicher schon immer wieder mal eine Rolle spielten, die sich nun aber gemeinsam verwirklichen lassen. Und das ist ganz großartig! Allein die Smartphone-Spiegelung im Objektiv ist eine so tolle Angelegenheit! Dekonstruktion durch Überbietung - so könnte man Dein Projekt auch nennen.

 

NP, 15.8.19

Es stimmt tatsächlich, dass ich mich hier in dem Projekt regelrecht austobe und nahezu alles auslote, was mich stets begeistert und interessiert hat. Selbst ich hätte vor zwei Wochen nicht daran gedacht, was sich bereits jetzt und nach nur zwei Dutzend Kästchen aus dem Projekt entwickelt hat, es verhält sich fast wie ein Organismus, der sich an verändernde Gegebenheiten immer wieder anpasst.

 

WU, 16.8.19

Auch das ein sehr schönes Bild: Dein Projekt als ein Organismus, dessen Entwicklung nie genau vorhersehbar ist. Und der sich immer wieder anpasst.

 

NP, 25.8.19

Anbei als kurzer Gruß zwei kleinformatige digitale Kontaktabzüge der dritten Reihe (im Moment bin ich bei Kästchen 11 der vierten Reihe), die zeigen allerdings nur die Anfangs-Standbilder der Videoclips und die Fotos mit den Spiegelungen. Die gefühlt 2000 anderen Fotos aus den Kameras sind NICHT dabei ;-)

WU, 25.8.19
Danke für die Kontaktabzüge! Es ist gut, so viele Bilder auf einmal zu sehen, um ein Gespür für die Menge zu bekommen. Die pure Quantität sorgt für Effekte abstrahierenden Sehens, zugleich fängt man an, sich in Detailunterschiede zwischen benachbarten Bildern zu vertiefen und so ihre Machart, aber natürlich auch das dokumentierte Geschehen zu rekonstruieren.


NP, 26.8.19
Es ist ja schon ein gewollter Irrsinn, was ich da anstelle. Umso schöner ist dann Deine Einschätzung und Analyse. Die "Dekonstruktion durch Überbietung", wie Du mein Projekt so wunderbar beschrieben hast, beinhaltet auch das Offenlegen der Dekonstruktion. Rezipiert und bewertet wird in der Regel immer nur das letzte Glied einer Kette.


WU, 28.8.19
Vielen Dank für das PDF, das ich nun schon mehrfach studiert habe! Großartig, die verschiedenen Bildtypen geordnet nacheinander anschauen zu können. Derselbe Werkprozess erscheint so aus jeweils anderer Perspektive, erschließt sich manchmal unmittelbar, manchmal nur über Ecken. Auf jeden Fall erziehst Du den Betrachter zu einem detektivischen Blick, will man doch möglichst genau verstehen, was man jeweils sieht, warum es aufgenommen wurde, was es über das Gesamtprojekt verrät. Ich stelle mir gerade vor, wie am Schluss das gemalte Bild alleine auf einer großen Wand hängt, während die drei anderen Wände des Raumes übervoll mit all den Fotos der Dokumentation bestückt sind. Oder man hängt das Gemälde einfach dazwischen, um die Hierarchie zwischen ihm und den anderen Bildern aufzuheben? Vielleicht wäre das die dem Projekt angemessenere Art der Präsentation. Denkbar wäre schließlich sogar, nur die Fotos zu zeigen, das Gemälde selbst hingegen nicht. Oder in einem anderen Raum, in Verbindung mit anderen gemalten Bildern.


NP, 29.8.19
Die visuelle Gegenüberstellung vom Gemälde und den Fotos/Videos hatte ich genau wie Du auch schon überlegt. Erstaunlich, dass die Antizipation der Rezeption schon in der Anfangsphase von Projekten wie ein instinktiver Automatismus funktioniert, oder? Mich würde interessieren, ob das nur bei stark konzeptuellen Arbeiten so ist oder grundsätzlich.
Ansonsten habe ich das Gefühl, dass sich das Werk verselbstständigt. Die vierte Reihe mit allen begleitenden Arbeiten habe ich gestern Abend fertiggestellt, allerdings sind diese "begleitenden Arbeiten" einer immer größer werdenden Flexibilität innerhalb bestimmter Konstanten (Klappe, Fotos von der Palette, Gesamtansichten, Anzahl der Kameras) unterworfen. Mühe nahm sich ja auch die Freiheit der Aneignung und Paraphrase verschiedener Bildgattungen und Vorstellungen, ja Instrumentalisierungen falscher Bilder (in doppeltem Sinne) von Romantik, Sehnsucht und Deutschtum, was in meinen Augen viel gefährlicher ist als die inhaltlich harmlosen Bilder eines erklärten Opferrechten wie Axel Krause. Ich habe vor, es laufen zu lassen.


WU, 4.9.19
Es ist so schön, dass Dein Projekt, je weiter es voranschreitet, desto freier in seiner Form wird. Das wird sich dann ja auch bei allen Dokumentationen zeigen, welche Dynamik sich da entwickelt hat. Und in der Summe ist es nochmal eine Art von Metakritik an Mühe, führst Du doch exemplarisch vor, was es heißen kann, Bilder reflektiert zu machen, indem sie immer wieder mit anderen Bildern kommentiert, überbietet, dokumentiert etc. werden. Du machst vor, was es heißt, blinde Flecke zu überwinden!


NP, 5.9.19
Ich komme hier ganz gut voran und habe auch meinen Frieden damit gefunden, dass alles länger dauert. Die fünfte Reihe ist fertig, neben den 220 Kästchen sind eben auch gut 6000 Fotos und 700 Videoclips entstanden. Ich bleibe erstmal bei der fotografischen und filmischen Begleitung.
Bei ebay habe ich mir noch ein paar uralte Kameras aus den Urzeiten der Digitalfotografie für kleine zweistellige Beträge ersteigert, 2- und 3-Megapixel-Kameras, die Einschränkungen interessieren mich dabei.


NP, 12.9.19
Bei mir kamen nur einige Kleinigkeiten dazwischen, ich musste den Projektablauf doch noch etwas optimieren und die etwas abseits stehenden Videokameras per gekauften Adaptern mit Dauerstrom versorgen, um nicht ständig um die Stative zu tänzeln, um die Kameras ein- und auszuschalten. Jede "Optimierung" beinhaltet aber zuerst neue Herausforderungen, die man ohne die Optimierung nicht hatte, weil bspw. die Kabel unten aus den Batterieschächten hängen, obwohl die Kamera auf dem Tisch stehen oder auf Schienen befestigt sind. Also kleine Ärgernisse, die irgendwie gelöst werden mussten, kurzfristige Zeitfresser. Die sechste Reihe ist fast fertig.


NP, 27.9.19
Je weiter ich voranschreite, umso mehr werden die Arbeitsschritte im Sinne neuer Ideen ausgefallener als auch angepasster bzw. standardisierter, was die Anforderungen an Effizienz und Angemessenheit angeht. Es ist also immer mehr ein freies Spiel in immer enger werdenden Grenzziehungen. Eine für mich nicht vorhersehbare oder gar geplante Entwicklung. Meistens gibt es Änderungen beim Aufbau und dem Vorgehen nach Fertigstellung einer Kästchenreihe. Jetzt steht ein Aufbau, der beim Start einer neuen Reihe ein Standard bis zum Schluss der Arbeit bilden könnte. Im Laufe des Prozesses stellt sich dann durch Versuch und Irrtum immer weiter heraus, was funktioniert und was nicht.
Im Grunde spiegelt dieses Vorgehen damit alle langfristigen kreativen Prozesse wider und widerlegt auch meinen eigenen Vorstellungen von einer möglichen Antizipation aller geplanten Prozessschritte. Ja, vielleicht ist diese Erkenntnis aus dem gewaltigen Aufwand auch auf die Rezeption anzuwenden. Muss sich nicht jede Kreation, auch die von Mühe, damit auseinandersetzen und antizipieren, was das Werk in der Wahrnehmung des Betrachters auslöst? Hier bieten nicht die Konventionen des Vorgehens bewährte und damit sicheren Grenzen der Pfade, auf der sich die Kunst bewegen kann, wohl aber Konventionen aus Material, Technik, Inhalt und Bildsprache. Die Wohlfeilheit im Gebrauch falscher und heute brandgefährlich gewordener Bildsprachen, die ich Mühe anlaste, ist somit auch eine Kritik an seiner absichtlich unterlassenen Auseinandersetzung mit den phänomenologischen Zwängen seines Werkes: Er liefert die Rezipienten mit ihren Wahrnehmungen seinem Werk aus, mit voller Absicht und mit den Mitteln subtiler Assoziationen, die dann eben für mich die dunkelste Tradition einer oktroyierten Interpretation bedeuteten, nämlich das ahistorische Narrativ einer völkisch und nationalistisch getragenen Romantik. Mühe, das ist der eigentliche Vorwurf, wusste das genau und er spielte damit, er nahm diese falsche Deutung ebenso billigend in Kauf wie der Beifall von der falschen Seite, den er – im Gegensatz zu Friedrich hätte eindeutig vermeiden, ja verhindern können.
Die „Dekonstruktion“ seines Werkes, von der Du angesichts meines Vorgehens so treffend sprachst, beinhaltet aber nicht die Festlegung auf eine singuläre Gegenposition in Form nur eines komplementären Werkes. Zur gemalten Gegenüberstellung als inhaltlicher Bildkritik kommen noch die mit nahezu unsinnigem Aufwand betriebenen Bildgenesen dazu, die sich wie eine Fotoreihe aus Mühes Foto ergeben. Es gibt am Ende nicht ein, nicht zehn, es gibt Tausende von Alternativwerken, die aus dem Prozess der Beschäftigung direkt oder indirekt oder auch nur entfernt aus Mühes Interpretation des Kreidefelsens entstehen.
Was Du als Metaebene der Bildkritik erkanntest, bereitete mir anfangs Probleme, da der Prozess mit seinen vielen Bildgenesen plötzlich ein Eigenleben zu führen begann und sich dadurch vom eigentlichen Thema um Mühes Kreidefelsen zu entfernen schien. Mittlerweile bin ich froh, diesen Weg dennoch konsequent und beharrlich gegen eigene, innere Widerstände weitergegangen zu sein. Selbstverständlich könnten mir alle Betrachter*innen die Frage stellen, was denn die Fotos der Dokumentation oder Makroaufnahmen von Details der Stative und Kameras mit Mühes Kreidefelsen zu tun hätten. Meine Hoffnung ist ja gerade, dass sich die Betrachter*innen fragen, was Mühes Foto mit dem Motiv Kreidefelsen zu tun hat, also was mit welchen Folgen durch ihr Ausgeliefertsein an individuellen Wahrnehmungsassoziationen, um dem Bild eine eigene Kritik unterziehen zu können.
In Reihe 7 hatte ich begonnen, anstatt ein Gesamtvideo Aufnahmen von den Kontroll-Smartphones zu machen.

In Reihe 8 habe ich auch Detailvergrößerungen eines Kameradisplay abfotografiert das wiederum nur ein anderes Kameradisplay abbildet und bei denen diese letzten Fotos alle Fehler der Displays inklusive Kompositionsgitter und Pixel zeigen, da sende ich dir auch einmal eine zusammengesetzte Fotoreihe.

Morgen beginne ich mit Reihe 9 und einem erneut veränderten Aufbau der Stative, die ich dadurch nicht mehr ständig zusammen mit der Tageslichtlampe verstellen muss, anbei ein Foto. Die Spiegelung mittels Smartphone musste ich deshalb jenseits des Schreibtisches umstellen, die findet nun durch einen angeschraubten Polarisationsfilter vor einer alten Kamera mit Objektiv statt.

WU, 29.9.19

Dein Projekt zu Mühe entwickelt sich ja mehr und mehr zum Pool für eine großangelegte bildtheoretische Abhandlung! Du sprichst damit so viele wichtige Fragen und Themen an - etwa die Frage: "Muss sich nicht jede Kreation, auch die von Mühe, damit auseinandersetzen und antizipieren, was das Werk in der Wahrnehmung des Betrachters auslöst?“ Da kann ich Dir nur laut zustimmen! Es macht gerade auch die Qualität eines Künstlers aus, das, was er auslöst, vorab zu reflektieren. Von Thomas Huber gibt es den schönen Satz „Der Künstler ist für die Umgangsformen seines Publikums verantwortlich“ - an den dachte ich, als ich Deine Mail las. Bezieht man ihn auf Mühe rück, dann wäre er auch verantwortlich zu machen dafür, dass bei seinen Bildern romantisch-völkische Sehnsuchtsbilder wach werden. Wenn Du schreibst, Mühe liefere die Rezipienten mit ihren Wahrnehmungen seinem Werk aus, dann sprichst Du seine unterlassene Verantwortung auch sehr gut an! Dabei braucht man - das wiederum macht Hubers Satz deutlich - gar nicht moralisch zu argumentieren. Vielmehr ist es eine zuerst einmal künstlerische Nachlässigkeit oder Leichtsinnigkeit, als Künstler bei den Rezipienten gewisse Wahrnehmungen zu begünstigen.

Durch Deine Dekonstruktion des Mühe-Bildes, die Du durch Deine Transformation davon, vor allem aber durch die Dokumentation von deren Genese vollziehst, servierst Du den Rezipienten nicht einfach nur etwas, was gefällige (und problematische) Assoziationen auslöst. Vielmehr beweist Du Deine Verantwortlichkeit gerade dadurch, dass Du die Rezipienten Deines Bildmaterials zu Eigenverantwortlichkeit erziehst. Jeder von ihnen muss entscheiden, was er oder sie damit macht, wofür er oder sie sich interessiert, welchen Weg er oder sie sich bahnt - und wie er oder sie das alles auf den Ausgangspunkt rückbezieht. Es könnte keinen gegensätzlicheren Umgang mit den Rezipienten geben als zwischen Dir und Mühe. Du holst an bildethischem Impetus nicht nur nach, was er versäumt hat, sondern gehst ins andere Extrem - das sicher auch nie Standard werden kann, das aber so viel Verallgemeinertes offenbart.

Ich denke darüber nach, welche Form man dem Projekt am Ende wohl am besten gibt. Ob es online besser aufgehoben ist als in einer Ausstellung? Oder ob man nicht auch da wieder mehrgleisig verfahren müsste? Oder gerade eingleisig, um die Vielfalt zu bändigen?

 

NP, 30.9.19

Vielen Dank für das großartige Zitat von Thomas Huber, das trifft es auf den Punkt! Ich stehe seiner Kunst, auch wenn es auf den ersten Blick nicht so aussehen mag, auch sehr viel näher als zu nahezu allen anderen Künstlern, die ich kenne.

Ja, mein Projekt entwickelt sich immer mehr zu einem absichtlich extrem übersteigerten Erziehungs- und Wahrnehmungsprogramm für Kunst- oder allgemein Bilderrezipienten. Dekonstruierende Bilderwelten als Kunsterziehung ;-)

Ich denke zur Zeit auch darüber nach, wie man das alles zeigen sollte. Auch ich dachte zwischenzeitlich an eine parallele Präsentation, bei der das gesamte Bildmaterial online stehen würde. Dabei fiel mir aber auf, dass die Gleichzeitigkeit der Wahrnehmung durch den engen Raum einer wie auch immer gestalteten Plattform am Bildschirm für zahlreiche digitale Bildformate zwar eine Grundvoraussetzung darstellen, hier aber ein Problem definieren, dass meiner Absicht im Falle einer alleinigen Online-Präsentation entgegenstünde. Die Videoformate definieren bereits die Notwendigkeit irgendeiner Form der Bildschirmpräsentation. Eine selbstablaufende, also dem Rezipienten zum Konsum servierte Präsentation in einem Ausstellungsraum entspräche wiederum nicht der Angemessenheit digitaler Bildwelten, das wäre nur eine technische Paraphrase à la Nam June Paik oder Wolf Vostell. Die Videos müssten also bei Instagram oder YouTube gezeigt werden.

Letzte Woche kam mir eher der Gedanke, die vielen Fotos (oder zumindest eine große Auswahl) nicht einzeln drucken zu lassen, sondern nach einem System oder nach Zufallsprinzip als kleine Abbildungen auf großformatigen Drucken zu präsentieren, deren Format auch das des Gemäldes selbst sprengen, so etwas hier:

https://www.fotoparadies.de/wandbilder/posterdruck-xxl.html

Im Format 80 x 240 kostet so ein Druck gerade einmal knapp 55 Euro, darauf würden 512 Fotos passen, wenn sie eine Einzelgröße von 5 x 7,5 cm hätten. Ich kann zwar nicht absehen, wie viele Drucke ich bräuchte, aber mir fielen Deine Gedanken zur Frage ein, ob man das Gemälde separat oder zusammen mit den Fotos zeigen solle. Die gängigen Ausstellungskonzepte mit Tausenden von ausgedruckten Polaroid- oder Laborabzügen will ich doch vermeiden, da ich befürchte, dass das Gemälde alle Relevanz auf sich ziehen würde, während die Fotos über ein dekoratives Beiwerk nicht hinauskommen. Die Großformate böten auch die Möglichkeit, je nach Objektiv und Art der Aufnahme thematische Bildsammlungen zu zeigen.


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E-Mail-Dialog mit Wolfgang Ullrich, 73 Seiten
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