Projektdokumentation: Flickr-Alben

Kästchenreihe 24-37

Ab Reihe 24 nahm ich das Konzept von Reihe 22 wieder auf, jedes Kästchen mehrfach abzulichten. Bis hierhin hatte ich Änderungen des Konzeptes meistens nur auf eine Reihe beschränkt, um danach das weitere Vorgehen zu bestimmen. Ich entschloss mich nun aus Gründen der Angemessenheit des gewünschten Ergebnisses, nicht für alle Kästchen drei Fotos mit allen Kameras zu machen, sondern fünf Fotos mit einer begrenzten Anzahl von Kameras. Ich sortierte eine Sony aus und gruppierte die 40 Apparate in fünf Gruppen à acht Kameras, die nacheinander über mehrere Reihen hinweg zur Anwendung kommen sollten. Eine grundlegende Änderung im Vergleich zum Vorgehen in Reihe 22 bestand darin, außer versehentlichen Auslösungen keine Fehlschüsse, unscharfe oder verwackelte Fotos mehr zu löschen. Da die Fehlbelichtungen nicht aus Versehen entstanden, sondern aus ungewollter, falscher Handhabung des Werkzeugs, sollten sie eine gleichrangige Existenzberechtigung haben wie die gelungenen Belichtungen. Hier ging es mir um die Frage, ob neben den subtilen Unterschieden auch Fehlschüsse als solche rezipiert werden oder vielleicht sogar als besonders hervorstechende Artefakte mit einer eigenen Ästhetik und Evidenz.


Kästchenreihen 38-40

Die Fehlbelichtungen der vorangegangenen Reihen zeigten Differenzierungen in den Fehlern, die Unschärfe wurde durch ungenaue Fokuspunkte, Bewegung oder auch durch beide Faktoren bestimmt. Diese Differenzierungen waren im Vergleich zu den technisch gelungenen Aufnahmen allerdings so subtil, dass ich beschloss, die Belichtungszeit als weitere Stufe des Konzepts zu verdoppeln. Selbst bei größter Sorgfalt um korrekte Belichtungen müsste unweigerlich eine größere Anzahl fehlerhafter Fotos entstehen, die in der Rezeption ein Gleichgewicht aus korrekten und fehlerhaften Aufnahmen ergeben sollten.


Kästchenreihen 41-42

Anstatt das bisherige Vorgehen bis zur letzten Reihe fortzuführen, beschloss ich, die Belichtungszeiten noch einmal zu verdoppeln, um die Schärfe als üblichen Qualitäts- und Bewertungsparameter zu vermeiden und damit weitgehend auszuschließen. Mit Belichtungszeiten von 1/25 Sekunden bei Standardbrennweiten bis 1/100 Sekunden bei den 200mm-Makro-Objektiven waren die Farbfehler des diskontinuierlichen Lichts der Tageslichtröhren verschwunden, dafür war es nun nahezu unmöglich beziehungsweise ungewollter Zufall, ein weitgehend scharfes Foto zu erzielen. Damit strebte ich ein Ergebnis konträr zu allen früheren Reihen an, bei denen gerade die unscharfen Fotos vermieden werden sollten.


Kästchenreihe 43

Das Konzept der Unschärfe habe ich mit Reihe 23 nochmals verändert, indem ich bei 100mm-Objektiven ebenfalls 1/25 Sekunden und bei 200mm-Brennweiten mit 1/50 Sekunden wählte.


Kästchenreihe 44

In der letzten Reihe habe ich schließlich noch einmal fünf Fotos von allen Kästchen aufgenommen, nun aber mit allen Kameras. Dieses letzte Album umfasst allein 8798 Aufnahmen.


Abschluss

Nur im letzten Album mit 75 analogen Schwarzweißfotos der schon für das Projekt verwendeten Kiev-Kamera ist das gesamte Gemälde zu sehen. Hier zeige ich – als Abschluss – die noch aufgebauten Kameras und letzte Impressionen aus dem Atelier. Die Fotos vom Monitorbildschirm zeigen die Vorlagen, aber auch andere visuelle Medien, die für das Projekt wichtig waren. Caspar David Friedrichs berühmtes Werk, Momentaufnahmen des NS-Propagandafilms „Ewiger Wald“ und Ergebnisse der Google-Bildersuche zum Begriff „Kreidefelsen“.