Nils Pooker, Künstler

Foto Selbstporträt 2021

Ich arbeite und lebe als Künstler in Kiel.

Beruflich startete ich als Gemälderestaurator mit Stationen in Lübeck, Detmold und Bonn. Von 1993 bis 2001 war ich als Auftragskünstler und Gemäldekopist tätig, von 2001 bis 2017 habe ich vorwiegend als Webdesigner gearbeitet. Meine alte Website zu Kopien und Auftragsarbeiten mit vielen aus heutiger Sicht schlechten Scans von Dias und Abzügen (letzter Stand 2000) liegt hier, ältere Texte zu Kunst, Malerei und Maltechnik hier: KUNST.mi.mol.een.utgeben.

Was ist ein Bild?

In meinen Arbeiten versuche ich, das Wesen und die Erscheinungsformen von Bildern als zweidimensionale Artefakte zu begreifen, konzeptuell zu erfassen und mit den Mitteln der Malerei und Fotografie zum Gegenstand meiner Projekte zu machen. Anliegen und Ziel ist es, die Grenzen der ontologischen Evidenz auszuloten und dabei auch das Selbstverständnis der Dichotomie von Original und Reproduktion in Frage zu stellen.

 

Der Artefakt-Charakter eines Bildes interessierte mich nicht nur hinsichtlich seiner theoretischen Kontingenz. In der zweiten Hälfte der 1980er Jahre begann ich mit der Umsetzung von Motiven in verschiedenen Maltechniken. Entscheidend für die Anknüpfung an diese ersten Versuche waren jedoch meine Restaurierungszeit von 1988 bis 1992 und meine langjährige Tätigkeit als Kopist.

 

Expressionistisch geprägten Narrative überkommener Künstlermythen betrachtete ich schon immer als lächerliche, schlimmstenfalls toxische Aufladungen. Auch die seit der Postmoderne beschworene Symbiose verschiedener Techniken mit dem Typus von Künstler*innen erschien mir stets als obsoletes Konstrukt.


Die Quadratur des Artefakts

Um nicht selbst in die unerwünschte Falle einer besonders individuellen Technik zu geraten, male ich seit 2016 meine Bilder in einem Raster aus quadratischen Farbfeldern. Mit dieser Art der Umsetzung meiner Bilder setze ich bewusst auf eine simple Alla-Prima-Malerei ohne aufwändige Technik.

Kästchenbild nach einem Rembrandt-Motiv
Umsetzung nach Rembrandt, „Landschaft mit Steinbrücke“, 2016, 24 x 30 cm

Über die Absurdität der Malerei

Das feste Raster mit quadratischen Feldern ist in der strengen formalen Anordnung von verpixelten Bildern bekannt, es folgt der Logik von Bildschirmpixeln als kleinste Einheit digitaler Bilder. Der in der Rezeption wahrnehmbare Übergang zwischen Erkennbarkeit und Abstraktion existiert im Werkprozess nicht.

 

Die Vorlagen der Kachel-/Kästchenbilder erzeuge ich digital und male sie von einem Tablet oder Ausdrucken ab. Aus perfekten digitalen Artefakten handgefertigte und mit Fehlern behaftete Artefakte zu erzeugen, ist ein bewusster Akt vermeintlich paradoxer Absurdität. Im Gegensatz zum gemalten Bild besitzt ein am PC generierte Digitalisat keine Werkgenese. Mit der Konzentration auf jeweils nur ein Farbfeld entspricht der Werkprozess des gemalten Bildes der sukzessiven Entstehung eines Mosaiks aus vielen Einzelwerken. Es ist bis zum Abschluss der Arbeit unmöglich, von der Gesamtheit des Motivs die Ton- und Farbwerte des jeweils nächsten Kästchens abzuleiten oder gar zu antizipieren. Das fertige Werkes dokumentiert, archiviert und bewahrt jede Ungenauigkeit, alle Fehler im Zuge des Malprozesses und jedes Pentimenti. Das gemalte Artefakt entspricht damit einer kontrafaktischen Reproduktion der digitalen Vorlage.